Korrespondenz

Korrespondenz

Lesen Sie die Korespondenz zwischen dem tübinger OB Boris Palmer (Grüne) und Frau Eck aus dem Ostalbkreis. Was passiert, wenn durch Infraschall erkrankte Bürger auf zynische Politiker treffen, läßt sich am folgenden Schriftverkehr exemplarisch darstellen.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) als Reaktion auf einen Zeitungsartikel in der WELT:

"Der Nutzen von Windrädern für den Klimaschutz ist immens, der Umweltschaden minimal. Wer sich intensiver mit den Initiativen auseinandersetzt, die im Namen des Naturschutzes gegen Windräder mobilisieren, stellt fest, dass dies häufig gerade die Menschen sind, die Bioprodukte für Firlefanz halten, große Autos in der Garage haben, nie Grün wählen würden und Umgehungsstraßen in freier Landschaft für einen Segen halten, kurz die Ökologie erst dann entdecken, wenn ihnen ein Windrad ins Blickfeld gerät. Das ist zwar völlig legitim, aber eben nicht ökologisch. Geschützt werden soll nicht die Natur, sondern die eigene Aussicht."

Hierauf reagierte Alessandra Eck aus dem Ostalbkreis mit einem Brief an OB Palmer:

Sehr geehrter Herr Palmer,

betrifft Ihre Aussage, "Windkraftgegner sind Fahrer von Benzinschleudern, biologisch angebautes Obst und Gemüse aus dem Bioladen unnötig......"

Nun ja, Ihre Meinung....Mein Leben steht dem entgegen.
Vielleicht schauen Sie, nach dem Sie gelesen haben, was ich Ihnen hier schreibe, genauer hin und schaffen es Ihre Meinung zu korrigieren.

Mein Mann und ich haben vor 14 Jahren ein altes Schulhaus gekauft. Wir haben uns eine Wohnung ausgebaut. Uns, das sind mein Mann, ich sowie 7 Kinder.
Für unsere Alterssicherung, die ja politisch immer wieder angesprochen wird, haben wir 2 weitere Wohnungen ausgebaut, eine mit ca. 100 m² und eine mit ca 45 m², beide sind vermietet, dazu eine PV-Anlage auf dem Dach zum Strom einspeisen.
Wir waren übrigens die ersten hier im Ort, die Solarmodule zur Warmwasserbereitung hatten, dann eine weitere PV-Anlage für den Stromeigenbedarf.
Als unser VW-Bus ins Alter kam haben wir einen Dacia gekauft - 7- Sitzer. Wenn wir Fahrten zu erledigen haben, werden mehrere Dinge auf einmal erledigt.
Fahrgemeinschaften wurden hier ganz neu belebt.
Am Anfang war der Boden steinig und karg, inzwischen ist hier ein großer selbstversorger Garten entstanden. Über 40 Obstbäume, vorwiegend alte Sorten, gehören dazu.
Die allermeisten von uns gepflanzt. Wir haben unsere eigenen Eier von glücklichen frei lebenden Hühnern, Gänse aus eigener Zucht, Hasen und Schweinchen in Auslaufhaltung. Die meisten Tiere gehören alten, vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen an, welche wir hier züchten und somit erhalten.
Jeder der hier das erste Mal ist benützt die Worte "Ist das schön hier, so ruhig, ein kleines Paradies, man mag gar nicht wieder weg, wie früher ..."
Also irgendwie sind wir so gar nicht, wie in Ihren Vorurteilen und doch sind wir Windkraftgegner.

Weshalb? Ein Grund ist, dass wir keine Nacht schlafen können, seit die Windkraftanlagen vor 8 Jahren 750 m von unserem Haus entfernt in Betrieb genommen wurden.
Wir sind alle gesundheitlich so sehr geschädigt und von den Behörden von A nach Z und wieder zurück geschickt worden.
Können Sie sich vorstellen, wie es sich als Vater anfühlt, wenn die 8 jährige Tochter nachts weinend um Schlaf bittend vor Ihnen steht: "Bitte Papa ich bin so müde und will schlafen", sie kann es aber nicht. Sobald unsere Tochter außer Haus übernachtet, schläft sie gut. Nach mehreren Tagen ohne richtigen Schlaf auch mal 12 Std am Stück.
Nachts aufzuwachen mit einem Ruhepuls von 130 - toll gell? Der Ohrdruck sowie das Pfeiffen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Konzentrationsstörungen, extreme Blutdruckschwankungen......... und das alles nur dann, wenn die Windkraftanlagen laufen. Sobald sie sich nicht drehen, lassen die Beschwerden nach und hören auf.

Wieso das alles? Energiewende ja, aber muß sie wirklich auf diese Art sein..?.
Genehmigt werden die neuen Anlagen auf total veraltetem Wissen. Wissen aus den 80ziger und 90 ziger Jahren für Anlagen von heute.
Die Auswirkungen auf den Mensch sind in Deutschland noch überhaut nicht erforscht.
Muß nicht in jedem anderen Bereich unseres Lebens alles geprüft und zertifiziert sein? Warum dann nicht auch Windkraftanlagen?
Manchmal ist das, was wir wollen damit verbunden, dass wir einige Regeln dazu beachten muß.
Wenn wir echten Honig wollen können wir direkt an den Bienenstock gehen mit der Erfahrung, dass es weh tut oder wir können einige Dinge beachten und ohne Schmerzen an den Honig kommen.
Wenn wir einen Toaster, Rasierer, Föhn, Herd kaufen, ist eine genaue Anleitung dabei wie wir diese zu bedienen haben, um keinen Schaden davon zutragen. Inklusive CE- und Konformitätserklärung! Weshalb wird das nicht bei WKAs gemacht? Um zu wisssen was Menschen schadet und was nicht, muß man wissen wie es auf den Menschen wirkt, oder?
Das Robert-Koch Institut hat 2007 dringend dazu aufgefordert, genau das zu erforschen. Gemacht wurde nichts.
Zuvor hat schon das Bundesumweltamt 2003 dringenden Forschungsbedarf angemahnt. Passiert ist ebenfalls nichts!
Wieviele Menschen müssen in Deutschland noch krank werden, bevor unsere Regierenden aufwachen?

Wenn es angeblich wirtschaftlich ist, erklären Sie mir bitte, wieso der Betreiber, der drei Windkraftanlagen bei uns mit seinen 188 Windkraftanlagen deutschlandweit, die meisten davon im Norden (bis auf die 3 bei uns) seit Bilanzierung 2008 pro Jahr im Durchschnitt 22 Mio € minus macht, wer kommt dafür auf?
Ebenso Prokon, Windreich usw....

Ach ja weil wir dann die Atomkraftwerke in Deutschland abschalten können. Stimmt. Stimmt das wirklich???

Wir müssen unser Haus mit allem aufgeben, um wegzuziehen. Warum?
Was würden Sie tun, wenn Ihre Kinder, Ihr Partner und Sie selbst immer kränker werden und der Arzt zu Ihnen sagt:"Ich kann Ihnen vorübergehend mit Medikamenten helfen doch eigentlich sind Sie gesund. Mit langfristigen Medikamentengaben mach ich Sie krank oder abhägig. Das Ganze ist kein medizinisches Problem, das ist ein rechtliches Problem.
Ziehen Sie weg oder bekommen Sie die Anlagen zum S tehen.
Die ganze Sache hat uns zu Windkraftgegnern gemacht.

Ich sehe Ihrer Antwort mit großem Interesse entgegen.

Freundliche Grüße

Alessandra Eck

Wie zu erwarten, war die Reaktion des OB Palmer typisch GRÜN

Sehr geehrte Frau Eck,

vielen Dank für Ihr Schreiben. Ich habe nicht geschrieben, dass alle Windkraftgegner gleich sind, sondern eine für mich häufige Beobachtung erläutert. Über Ihren Fall sagt das gar nichts. Außerdem geht es Ihnen ja nicht wie dem Autor der Welt um die Aussicht oder um Waldgebiete, die vor Windrädern geschützt werden sollen, sondern um Ihre Gesundheit. Mein Text hat sich ausschließlich mit dem Anblick-Argument befasst.

Ihr Fall ist sicher anders. Allerdings gibt es bis heute keinen Belege dafür, das Windräder krank machen. So wenig, wie es Belege dafür gibt, das Handystrahlung krank machen. Trotzdem gibt es Menschen, die sich von Windrädern oder Handystrahlung krank gemacht fühlen. Ohne Beleg kann ich als Politiker das aber nicht zum Maßstab machen. Es kann eben auch ganz andere Ursachen für Ihr Leiden geben. Dazu aus der Ferne irgendein Urteil abzugeben ist weder möglich noch angemessen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Boris Palmer
Oberbürgermeister

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