Schlaflos in Ba-Wü

Schlaflos in Ba-Wü

Wie eine 7köpfige Familie in Baden-Württemberg Schallterror durch Windkraftwerke erlebt -
und keiner zuständig sein will

Mit Dank an Alessandra und Matthias Eck!

Kapitel 1

Email an die "nicht zuständigen" Behörden

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist 5 Uhr 23 und ich habe auch in dieser Nacht kein Auge zugemacht, während Sie vermutlich seelig schlummern.

Etwas, dass mir leider verwehrt wird, weil sich keiner von Ihnen zuständig fühlt für die Misere, mit der zu leben unsere Familie seit Ende 2006 gezwungen wurde.
Seit dem Zeitpunkt sind wir 3 WKA ausgesetzt: Typ REpower MM92, 99m Nabenhöhe, 145m Gesamthöhe, 2 MW Leistung.
Die Anlagen rotieren 750 m von unserem Haus entfernt, etwas überhöht im Gelände, südwestlich und südlich unseres Hauses in Hauptwindrichtung und bereiten uns seit Jahren zunehmend heftigere gesundheitliche Probleme, wie z.B. Schlaflosigkeit.

Eine Odyssee durch die behördlichen Instanzen begann.

01Hausarzt: " Das ist eine rechtliche Sache. Ich kann Ihnen Schlafmittel geben mit Nebenwirkungen doch eine Dauerlösung sollte das nicht sein"
Nun gut - Wer hat die Windräder genehmigt?

02Ortsgemeinde: Dort erfahre ich dann, dass diese nicht zuständig ist. Die Ortsgemeinde ist nur zuständig, ein Gebiet auszuweisen nach Kriterien wie "Nur weit weg von der Hauptgemeinde", nach anderen offenbar nicht...

03Landratsamt: " Wir genehmigen nur Windräder nach den vorgegebenen Richtlinien, die Abstände sind so in Ordnung.
Nach welchen Kriterien - nun, das kann keiner so genau sagen...

04Landratsamt / Gewerbeaufsicht: "Ja, wir messen bei Windstille, vom Haus abgehendem Wind und das vielleicht irgendwann mal...
In der Hoffnung, dass sich nach entsprechend langem Aussitzen das Problem von allleine löst?

05Landratsamt / Gesundheitsamt " Nö, wir sind dafür überhaupt nicht zuständig. Es tut uns aber Leid, dass es Ihnen schlecht geht, machen Sie doch einen längeren Urlaub oder ziehen Sie weg. Und wenden Sie sich an Ihren Hausarzt." 

06Bundespräsident Gauck: Er läßt mitteilen, ich solle mich mit meiner Bitte ans Landesumweltamt wenden.

07Landesumweltamt: Ein sehr wichtiges Amt, denn hierauf berufen sich alle und verweisen auf den Flyer des LfU Bayern der...ja, was soll er denn eigentlich aussagen - und tut es doch nicht...?
Hier erfahre ich, dass dieses Amt zwar beteiligt war an dem vielzitierten Flyer aber für die Aussagen darin "Windkraftanlagen seien total unschädlich für die menschliche Gesundheit", nun, dafür könne man nichts. Dafür ist das

08Landesgesundheitsamt - in Person des Herrn B. zuständig. Der Arme jedoch weiß bis dahin überhaupt nichts von seinem Glück und seiner Wichtigkeit.
Also weiter zur

09Landesumweltamt Meldestelle und von dort ins

10Staatsministerium - Dort werde ich an Herrn G. weitergeleitet, doch auch er ist nicht zuständig:
" Es gibt dafür Gesetze, Landes und Bundestagsabgeordnete usw.. Ich solle mich doch bei denen melden, denn "Wir leben in einer Demokratie und es sind die vom Volk Gewählten, welche die Energiewende auf diese Art entschieden und dafür Gesetzte und Verordnungen erlassen haben. Denn wir sind ja eine Demokratie, bei der die Mehrheit entscheidet. Und wenn dadurch einige Unrecht erleiden, dann sind das ja nur wenige, und das ist dann halt so. Tut mir leid, dass es Sie trifft, doch dafür bin ich nicht zuständig."

OK, jetzt weiß ich wenigstens, was demokratisch ist. Eine große Mehrheit will etwas, stimmt ab und wenn dabei die Minderheit systematisch zerstört, weil ihrer Gesundheit beraubt und Haus und Land entwertet wird, ist das eben legal und in Ordnung...
Nun, so hab ich Demokratie noch nie gesehen. Welche Mehrheit in Deutschland hat das so entschieden, wenn ich fragen darf?
Hab ich da Ende Mai bei der Anhörung im Umweltausschuß des Bundestages etwas falsch verstanden? War da nicht die Rede davon, dass "...es noch nie in der Geschichte Deutschlands soviele Menschen gegeben hat, die sich außerparlamentarisch für den Erhalt Ihrer lebenswerten Heimat einsetzen? Z.B. in annähernd 1000 Bürgerinitiativen gegen die Zerstörung von Umwelt und Gesundheit durch Windkraftanlagen...
Die Antwort von unserem Landesvater Herrn Kretschmann auf unser Schreiben steht noch aus.

Nun bin ich einmal von unten nach oben gegangen durch unsere Behörden, um von dort wieder an den Ausgangspunkt, das Landratsamt in Aalen, als für mich zuständige Stelle geschickt zu werden...
Irgendwie hat das ganze System: Jemanden, der eh schon körperlich erschöpft ist durch Schlafentzug und dessen Folgen, den beschäftigt man und läßt ihn im Hamsterrad rennen, bis er umfällt und dann hat sich das Problem erledigt...
Problem erledigt? Wer von uns möchte je in eine solch auswegslose Situation kommen?
Eine Situation, die nicht selbst verursacht, sondern von oben angeordnet wurde. Wo auch immer oben sein mag?? Denn da ist es ja keiner gewesen.
Es ist einfach nur passiert, keiner hat es gewollt. Das Gesetz ist auf einmal da gewesen auf der Grundlage von Entscheidungen, die keiner so richtig benennen kann. Aber es ist demokratisch...

Inzwischen ist auch mein Mann schon lange wach und meine kleine 8jährige Tochter ebenfalls.
Wir lauschen dem "beruhigenden" whomm, whomm der Windkraftanlagen und versuchen doch noch etwas von dem Schlaf zu finden, der hier seit langem auf der Flucht ist........
In der Arbeit, der Schule, beim Autofahren, beim Einkauf...............macht es sich halt bemerkbar, dass der Schlaf fehlt......Doch vielleicht erledigt sich das Problem ja von selbst, wenn man lange genug wartet??

Mit müden Grüßen
Alessandra Eck

Windwahnkommentar
Vermutlich gibt es viele Betroffene, die eine solche oder ähnliche Odyssee durch die behördlichen Instanzen hinter sich haben.
Auch wir wurden jahrelang mit den Unzulänglichkeiten und dem Zynismus von Behördenmitarbeitern und Politikern konfrontiert und haben auch darüber in unserer Windwahnstory berichtet, die bei nächster Gelegenheit plötzlicher Zeit und Gedankenfreiheit fortgesetzt wird.
Darüber, dass sich die Lobbyisten in Politik und Behörden stets auf einen windkraft-freundlichen Flyer des bayrischen Landesamtes für Umwelt mit falschen Aussagen zur vermeintlichen Ungefährlichkeit von tieffrequentem und Infraschall berufen, um ihren Windkraft-Lobbyisten Gutes zu tun und dabei den Art. 2 (2) Satz 1 des Grundgesetzes zum Recht auf körperliche Unversehrtheit zu verletzen, wundert sich natürlich niemanden.
Dass sich aber auch Ärzte in Amtspositionen hinreißen lassen, wider ihren geschworenen Eid zu handeln, Kranken nicht zu schaden, ist erschreckend.
Ganz besonders zynisch wird es, wenn ein solcher Arzt auch noch Empfehlungen gibt, die Situation für die betroffene Familie erträglicher zu machen und ihr einen Ortswechsel z.B. in Form von eines längeren Urlaubs empfiehlt:

"Wir haben uns dabei am aktuellen Stand der Erkenntnisse orientiert, den Sie unter nachfolgender Adresse abrufen können:

http://www.lfu.bayern.de/umweltwissen/doc/uw_117_windkraftanlagen_infraschall_gesundheit.pdf

Wir sehen unsere gesetzlichen Aufgaben als erfüllt an und können Ihnen in Ihrem Einzelfall nicht weiterhelfen.

Auf das Aufsuchen eines Facharztes für Umweltmedizin habe ich ja schon hingewiesen.

Ggf. ist auch ein Ortswechsel (z. B. auch längerer Urlaub) hilfreich.

Ich hoffe, dass Sie und Ihre Familie gut durch die für Sie schwere Zeit kommen und verbleibe"

Amtsarzt des Landesamtes Ostalbkreis

Dass es mit einem Ortswechsel in Form eines längeren Urlaubs nicht getan ist, denn nach der Rückkehr rotieren die Schallemittenten immer noch, sollte auch für einen Behördenmitarbeiter vorstellbar sein.
Dass eine Großfamilie allerdings wohl kaum über ein Vermögen verfügt, welches ihr ständige "längere Urlaube" ermöglichte, übersteigt offenbar die soziale Kompetenz und Vorstellungskraft des vermutlich gut situierten Amtsarztes.
Auch die Formel "Die Dosis macht die Wirkung" im Hinblick auf die Langzeitexposition an Windkraftanlagen, die bis zu 20 Jahre und nach einem "Repowering" noch viel länger von betroffenen Windkraft-Anwohnern ausgehalten werden muß, scheint nicht in das Wissensrepertoire des Doktors vom Amt zu gehören.

Nutzen Sie jede Gelegenheit, nicht nur Ihre Nachbarn und Freunde aufzuklären, sondern auch Ihre behandelnden Ärzte!

Haben Sie sich, liebe Windwahnleser, auch schon mal als Betroffene an Ihre "Volksvertreter" und die Behörden gewendet?
Wenn wir uns gegen Ignoranz in Politik und Behörden wehren wollen, wäre das jetzt sicher der richtige Moment dafür!

Sie haben Ähnliches erlebt? Schreiben Sie uns Ihre Geschichte auf!
In Kanada gibt es die Website illwind.org, betrieben von unseren Mitstreitern in Nordamerika, auf der Hunderte Erfahrungsberichte Betroffener und durch Infraschall von Windkraftanlagen Erkrankter nachzulesen sind.

Im nächsten Kapitel erfahren Sie mehr über zu den Krankheitssymptomen von Alessandra und Matthias und ihren Kindern, denen wir hiermit großen Dank für ihren Mut und ihre Offenheit aussprechen, uns allen ihre Geschichte zu erzählen!
JR