Weihnachten unter den Windrädern

Weihnachten unter den Windrädern

Wenn ich jetzt in den Abendstunden die Häuser unserer Nachbarn mit den friedlichen Lichtern der Schwibbögen und der Adventssterne betrachte, wird mein Blick zwangsweise auf die darüber mächtig drohenden roten Blinklichter der Windräder gezogen, die sich in nur 400 bis 500 Meter Entfernung von unseren Wohnhäusern mit etwa 150 Metern Größe aufgebaut haben.

Wir erleben jetzt zum dritten Mal die Adventszeit und die kommenden Weihnachtstage mit der „Stillen Nacht" unter dem Terror des tschechischen Windparks auf dem Stráž (Wachtberg). Dieser tschechische Berg mit einer Gipfelhöhe von 716 Metern liegt unmittelbar am anerkannten sächsischen Kurort Bad Brambach, zu dem unsere Siedlung gehört.

Wir wohnen seit vielen Generationen hier in einer naturverbundenen Umwelt, die berechtigterweise bisher den Status eines Landschaftsschutzgebietes getragen hatte. Unser Nachteil ist, dass uns die deutsche Bürokratie den Titel einer „Splittersiedlung" verpasst hat. Damit ist es nach offizieller sächsischer Lesart erlaubt, bis 300 Meter an Wohngebäude Windkraftanlagen in unbegrenzter Größe zu errichten. Dies haben die tschechischen Behörden und Windkraftbetreiber in vollem Maße ausgenutzt. Die tschechische Stadt Aš (Asch) als Eigentümer der Fläche kassiert die Pacht und hat den Windpark weit außerhalb ihrer Sicht- und Hörweite ganz nah an die deutsche „Nachbar"-Gemeinde Bad Brambach platzieren lassen. Die tschechischen Genehmigungsbehörden im noch weiter entfernten Karlovy Vary (Karlsbad) entschieden offenbar, die unbedeutenden Bewohner auf deutscher Seite der Grenze sind taub und blind und der sächsische Kurort Bad Brambach, dessen Kurpark unmittelbar an das Windparkgelände grenzt, hat keine Bedeutung und muss auch nicht gefragt werden. Dieser Logik folgten inzwischen auch die Ämter und Behörden des Landkreises Vogtland und des Freistaats Sachsen. Sie fühlen sich auch zusätzlich ganz simpel „nicht zuständig". Auch manche Ungereimtheiten der Planungsphase des Windparks, die aus Tschechien nur bruchstückhaft zu erlangen sind, ist man auf Seiten der sächsischen Behörden nicht bereit aufzugreifen und aufzuklären. Dazu hat das sächsische Umweltministerium folgende Begründung geliefert: auch auf sächsischer Seite stehe eine Vielzahl an Windkraftanlagen nahe an der Grenze, die auf tschechischer Seite auch keine öffentliche Resonanz gefunden hätten.

Von Ämtern und Behörden werden schädliche Auswirkungen der Windkraftanlagen auf Gesundheit und Wohlbefinden der in der unmittelbaren Nähe wohnenden Menschen gebetsmühlenartig abgestritten. Das ist nur aus der Sicht der Amtsstubenmentalität zu verstehen. Wir, die ständig und unmittelbar unter den optischen und akustischen Immissionen der Rotoren und Windturbinen leiden müssen, werten das natürlich komplett anders. Wir fühlen uns als kollateral Geschädigte einer mindestens überstürzten – wenn nicht gar teilweise verfehlten - Wende der Energiepolitik.

Wir empfinden uns – im Umkreis von etwa 500 Metern an Windkraftanlagen wohnend – dem Fluch dieser Windrad-Politik ausgeliefert durch:

  • den schwallartigen Lärm der Rotorblätter und das schrille Pfeifen der Turbinen, beides wechselnd an Intensität abhängig von  Witterungsfaktoren und Betriebsintensität der Anlagen ohne Rücksicht auf Nacht-, Sonntags- oder Feiertagsruhe (der Nachtschlaf bei geöffnetem Fenster wurde uns geraubt),
  • den Schattenwurf der Rotorblätter bei niedrigem Sonnenstand in den Garten und bis in Wohn- und Kinderzimmer,
  • die Angst auslösende Ansicht der riesigen rotierenden Flügel weit höher als alles in der nahen Umgebung,
  • die weitgehend noch unbekannten gesundheitlichen Auswirkungen der dauernden Infraschalleinwirkung,
  • die in der Dämmerung und nachts blinkenden Rotlichter der Anlagen über unseren Häusern,
  • die deprimierende Zerstörung des natürlichen Landschaftsbildes mit Verlust des Erholungswertes im eigenen Grundstück,
  • den Stressaufbau infolge Wertverlustes des Wohnungseigentums und dadurch entstehende Zukunftsängste,
  • die Ignoranz der Behörden und der Politik bezüglich dieser Auswirkungen und die dadurch offensichtlich gewollte Vermittlung eines Minderwertigkeitsgefühls.

Seien es nun die direkten Auswirkungen der Windkraftanlagen durch hörbaren Schall, Infraschall oder optische Überreizung oder die indirekten Folgen durch Angst, Stress und Frust – wir fühlen uns durch den viel zu nahen Betrieb der Windräder in unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden massiv geschädigt.

Wir wünschen jedem, der mit uns fühlt, dass er von derartigen Eingriffen in das ganz persönliche Umfeld verschont wird. Denjenigen, die unsere Argumente als überzogen abtun und den energiepolitischen Verirrungen wie Lemminge folgen, wünschen wir einen engen Kreis von Windrädern um ihre Wohnungen um eigene Erfahrungen sammeln zu können.

L.R.